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Hauptstraße 40
Mit Mondglas zu Weltruhm
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Erleben Sie die Entstehung und Entwicklung eines Dorfes,
welches überhaupt keine Siedlung werden sollte!

Zunächst war lediglich eine Glashütte geplant, aber mit deren Gründung im Jahre 1706 begann schließlich
auch die Ansiedlung im Umfeld der neuen Arbeitsstätte. Der Grundstein für die Entstehung des Dorfes
war gelegt.

Neben den bestehenden Betrieben der kurmainzischen Spiegelmanufaktur in Lohr und Rechtenbach, sollte
der neue Standort an einer der Quellen* der Hafenlohr und nahe der damals wichtigen Verkehrsader, dem
Eselsweg, auch Salzstraße genannt, zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Sinnbild für Lebensart und Luxus war zur damaligen Zeit unbestritten der französische König Ludwig der XIV.
(1638-1715). Er und sein Schloss in Versailles waren das große Vorbild, auch für die deutschen
Fürstenhäuser.
Insbesondere der Glanz des Spiegelsaales war so beeindruckend, dass man eigene Produktionsstätten
gründen wollte, um die Herstellung von Glas und Spiegeln mit Fachleuten aus Frankreich zu bewerkstelligen
und um der steigenden Nachfrage entgegen zu kommen. So kam durch die Initiative des Mainzer Kurfürsten
Lothar Franz von Schönborn (Kurfürst u. Erzbischof von Mainz, 1695-1729) auch der französische Fachmann
und spätere Betriebsgründer der Glashütte am „Weihersbronn“, namens Guillaume Brument, in den Spessart.
In den ersten 30 Jahren nach ihrer Gründung expandierte die Glashütte für damalige Verhältnisse gewaltig.
Arbeitskräfte und Spezialisten siedelten sich um die Produktionstätte herum an und im Jahre 1717 lebten
bereits 83 Personen bzw. 22 Familien im direkten Umfeld der Glashütte.
Die unter dem Namen „Lohrer Glas“ weithin bekannt gewordenen, wertvollen, runden Scheiben wurden eben
hier, in der Weibersbrunner Hütte der Lohrer Spiegel- u. Glasmanufaktur hergestellt.
Nach fast 160 Produktionsjahren, mit wirtschaftlichen Höhen und Tiefen, stand die Glashütte Weibersbrunn
1862 vor der Schließung und wurde versteigert.

Eine bittere Zeit der Armut, mit katastrophalen hygienischen und gesundheitlichen Verhältnissen folgte,
lediglich gelindert durch ein paar staatliche Almosen des Königreiches Bayern, zu dem der Spessart seit
1814 gehörte.
Als Helfer in der Not erschienen erst später (1887) die Schwestern des Ordens der Franziskanerinnen
„Maria Stern“ aus Augsburg. Sie wirkten über Jahrzehnte (bis 1981) in diversen sozialen Bereichen der
Gemeinde.
Die Schwesternstation war in dem heutigen Museumsgebäude untergebracht. Im Haus befanden sich auch
Schulräume, Krankenstation und die Wohnräume der Schwestern.

In einer langen Periode von etwa 100 Jahren, zwischen der Schließung der Glashütte und dem Bau der
Autobahn, durchlitten die Weibersbrunner Einwohner bittere Armut. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt mit
harter Arbeit im Spessartwald oder als Wanderarbeiter in den Städten und Ballungsräumen in weitem Umkreis.

Mit dem Anschluss an die Autobahn begann für Weibersbrunn eine neue Epoche. in Verbindung mit dem
allgemeinen Aufschwung in den Jahren des „Wirtschaftswunders“ fanden die Weibersbrunner nun einfacher
Zugang zu den Arbeitsplätzen, vorallem des Rhein-Main-Gebietes. Der Wohlstand im Ort wuchs in den
Folgejahren zusehends.

Heute ist Weibersbrunn durch seine Lage ein idealer Ausgangspunkt für alle Erholungssuchende und alle,
die in der Kulturlandschaft des Spessarts auf Wanderung und Entdeckungsreise gehen möchten.
Lothar Franz von Schönborn
Modell der Glashütte und Siedlung um 1860 - nach Originalplänen rekonstuiert
Guillaume Brument
Links:
>>> Geschichte des Ortes